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Kabelnormen mit dem Produktcode bewerten

IEC-, EN-, BS- und andere Referenzen erhalten ihre Bedeutung erst zusammen mit dem zugehörigen Produktdatensatz.

CMK KabloAktualisiert Lesezeit 4 Min.
Kabelnormen mit dem Produktcode bewerten
Kabelnormen mit dem Produktcode bewerten

Der Name einer Norm allein genügt nicht

Bei der Beschaffung von Kabeln sagt die alleinige Nennung eines Normnamens dem Einkäufer nicht aus, was tatsächlich bestellt wird. Derselbe Normname kann bei unterschiedlichen Aufbauten, Leiteranordnungen oder Anwendungsbereichen auftreten, sodass eine isolierte Nennung zu Missverständnissen zwischen Einkaufsabteilung und Lieferant führen kann. Ein Normverweis wird erst dann wirklich brauchbar, wenn er mit einem konkreten Produktcode oder einer klar definierten Produktgruppe verknüpft ist, denn diese Verknüpfung legt die technische Bedeutung hinter dem Namen fest.

Aus diesem Grund sollte der Normname stets zusammen mit der technischen Tabelle des betreffenden Produkts sowie jedem zugehörigen Dokument auf der Produktseite gelesen werden, etwa einer Leistungserklärung oder einer Prüfzusammenfassung. Diese Unterlagen zeigen, wie die Norm auf diesen konkreten Aufbau angewendet wird, nicht auf die Normkategorie insgesamt. Den Normnamen als bloßes Etikett zu behandeln, ohne die begleitende Dokumentation zu prüfen, ist eine häufige Ursache für Spezifikationsabweichungen bei grenzüberschreitenden Bestellungen.

Das technische Zentrum als Ausgangspunkt, nicht als endgültige Auswahl

Ein technisches Zentrum oder eine Normenbibliothek auf der Website eines Herstellers ist am besten als Referenzbereich zur Suche nach Normen, Leistungserklärungen und zugehörigen Dokumenten zu verstehen, nicht als Ersatz für die endgültige Produktauswahl. Es hilft dem Einkäufer oder Planer, einzugrenzen, welche Normfamilie für ein Projekt in Frage kommt, und bietet schnellen Zugriff auf Dokumente, für die sonst bei jeder Anfrage eine direkte Rückfrage bei der technischen Abteilung des Lieferanten nötig wäre.

Sobald auf diese Weise eine Norm, eine Leistungserklärung oder ein anderes Dokument gefunden wurde, besteht der nächste Schritt darin, den entsprechenden Produktdatensatz zu öffnen und zu prüfen, ob Code, Aufbau und Anwendungsbereich tatsächlich mit dem gefundenen Dokument übereinstimmen. Wird dieser Prüfschritt übersprungen und nur auf das Suchergebnis vertraut, kann eine Abweichung zwischen den Anforderungen der Projektspezifikation und dem tatsächlich im Produktdatensatz dokumentierten Inhalt entstehen.

Normkategorien sind zwischen Märkten nicht austauschbar

Nach allgemeiner Branchenpraxis werden Normverweise in unterschiedliche Kategorien eingeteilt: international ausgerichtete Normen für einen breiten, marktübergreifenden Einsatz; europäisch harmonisierte Normen, die für eine Angleichung innerhalb eines definierten regionalen Rahmens entwickelt wurden; und nationale Normen, die für die Anwendung innerhalb des Regelwerks eines einzelnen Landes herausgegeben werden. Diese Kategorien sind nicht bloß unterschiedliche Bezeichnungen für dieselbe Anforderung - jede beruht auf ihrem eigenen Anwendungsbereich, eigenen Prüfregime und eigenen Einsatzgebiet, und ein unter einer Kategorie verfasstes Dokument überträgt sich nicht automatisch in eine andere.

Diese Unterscheidung gewinnt bei einem grenzüberschreitenden Projekt praktische Bedeutung. Eine Spezifikation, die auf Basis einer bestimmten Referenzkategorie erstellt wurde, erfüllt nicht automatisch die Anforderung eines anderen Marktes, selbst wenn der technische Sachverhalt auf dem Papier ähnlich erscheint. Ein Einkäufer, der in mehreren Rechtsräumen tätig ist, sollte die Kategorie des Verweises - international, regional oder national - als ersten Filter betrachten, bevor technische Details darunter verglichen werden, um zu vermeiden, dass ein Verweistyp genannt wird, den der Zielmarkt gar nicht anerkennt.

Ein Produkt, mehrere anwendbare Verweise

Es ist üblich und durchaus legitim, dass ein und dasselbe Produkt je nach Zielmarkt, in den es geliefert wird, anhand mehrerer Normkategorien beschrieben wird. Ein Hersteller kann mehrere Verweise in einem einzigen Produktdatensatz aufführen, weil das Produkt tatsächlich für den Einsatz in mehr als einem regulatorischen Umfeld geeignet ist - nicht weil diese Verweise Duplikate voneinander wären oder von Bestellung zu Bestellung frei austauschbar.

Deshalb sollte ein Einkäufer nicht annehmen, dass jeder bei einem Produkt aufgeführte Verweis automatisch für seine konkrete Bestellung gilt. Der sicherere Weg entspricht der allgemeinen Branchenpraxis: den Lieferanten direkt zu fragen, welcher Verweis für das Zielland oder das betreffende Projekt maßgeblich ist, und vor Abschluss der Bestellung eine schriftliche Bestätigung dieser Übereinstimmung einzuholen, statt ohne Bestätigung einen Verweis aus der Liste auszuwählen.

Fragen Sie nach Abschnitt und Ausgabe, nicht nur nach dem Normnamen

Eine Norm, die ohne Angabe von Abschnitt, Ausgabe oder Erscheinungsjahr genannt wird, kann mehrdeutig sein, da Normungsgremien ihre Dokumente regelmäßig überarbeiten und dabei mitunter Prüfmethoden, Kennzeichnungsanforderungen oder Details des Anwendungsbereichs zwischen den Ausgaben ändern. Ein Angebot oder eine technische Kalkulation, die nur einen nackten Normnamen ohne diese zusätzliche Angabe nennt, gibt dem Einkäufer keine verlässliche Möglichkeit zu prüfen, welche Fassung der Anforderung in diesem konkreten Geschäft tatsächlich gemeint ist.

Als praktische Gewohnheit sollte ein Einkäufer den einschlägigen Abschnitt der Norm zusammen mit ihrer Ausgabe oder ihrem Erscheinungsjahr neben dem Produktcode in jedem erhaltenen Angebot anfordern. Eine ältere und eine neuere Ausgabe einer Norm mit demselben Namen sind technisch nicht immer austauschbar, sodass eine schriftliche Bestätigung der Ausgabe beide Seiten vor einem späteren Streit darüber schützt, welche Fassung der Anforderung die Bestellung tatsächlich erfüllen sollte.

Fazit

In der Praxis ist das technische Zentrum ein Ausgangspunkt, um eine mögliche Norm, Leistungserklärung oder ein zugehöriges Dokument zu finden - nicht der letzte Schritt. Bevor man sich in einem Projekt auf einen Verweis stützt, sollte man bestätigen, dass Produktcode, Aufbau und Ausgabe oder Jahr tatsächlich mit den Projektanforderungen übereinstimmen.

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